Sauberer Strom – Ökostrom

Der Begriff „sauberer Strom“ bezieht sich, wie man leicht vermuten kann, nicht auf den Strom selbst, sondern auf die Art der Erzeugung des Stromes. Als sauberer Strom wird demnach Strom bezeichnet, der auf „saubere“ Art und Weise, also aus rein regenerativen Quellen gewonnen wird.

Diesen so erzeugten Strom nennt man auch Ökostrom. Zu diesem Ökostrom wird im Allgemeinen die Erzeugung von Strom durch Biogasanlagen, durch Erdwärmekraftwerke, durch Solaranlagen, durch Wasserkraftanlagen und durch Windkraftanlagen gezählt. Was das alles ist? Ganz einfach:

Biogasanlagen

In Biogasanlagen wird Biomasse so lange vergärt, bis Biogas entsteht, das aus den beiden Hauptbestandteilen Methan (CH4) und Kohlendioxid (CO2) besteht. Aus diesem gewonnenen Biogas kann dann durch Verbrennung Energie in Form von Wärme bzw. nach Umwandlung der entstehenden Wärme in Kraftwerken Ökostrom erzeugt werden.

Sauberer Strom Biogasanlage

Im Gegensatz zu z.B. Windkraftanlagen, beruht die Energieproduktion in Biogasanlagen auf der effizienten Nutzung eines knappen Rohstoffes. Mit „knapp“ wird jeder Rohstoff bezeichnet, der nicht ohne Begrenzung angebaut werden kann. Brennbare Biomasse kann nur bis zu einem bestimmten Umfang erstellt werden. Wind ist immer verfügbar. Das hat zur Folge, dass die Effizienz einer Biogasanlage besonders hoch sein muss. Pro verbranntem Kilo Biomasse muss also so viel Energie eingefangen werden, wie möglich. Die Effizienz von Biogasanlagen wird vor allem durch die Fähigkeit der Anlage ausgedrückt, die frei werdende Energie in Form von Wärme in Strom umzuwandeln. Es gibt deutliche Unterschiede bei dieser Art von Effizienz. Je nach Alter der Anlage lassen sich Faktoren von 25% - 95% beobachten. In diesem Bereich gibt es also noch viel Optimierungspotential.

Das größte Biomasse Kraftwerk der Welt steht aktuell in Finnland. Im kleinen aber feinen Pietarsaari steht der Gigant, der in der Lage sein soll, 256 Megawatt Leistung darzustellen. Im Kraftwerk sollen jedes Jahr bis zu 200.000 Kubikmeter Restholz verbrannt werden. Dieser Biomassegigant sucht Seinesgleichen.

Solaranlagen

Die Sonne ist unser größter Energielieferant. Knapp über eine Trillion kWh Sonnenenergie treffen jedes Jahr auf die Erdoberfläche. Zum Vergleich: Der jährliche Bedarf an Primärenergie aller Menschen auf der Erde liegt bei ca. 140 Mrd. kWh. Mit der Energie der Sonne könnten so 70.000 Planeten wie die Erde ganzjährlich mit Strom versorgt werden. Solaranlagen wandeln mit Hilfe von Solarzellen kurzwellige Strahlungsenergie, meist Sonnenlicht, direkt in elektrische Energie um. Solarenergie wird wie bei LED Lampen durch sogenannte Halbleitertechniken gewonnen. Dabei besteht jede Solarzelle aus zwei Schichten. In der Kurzfassung lösen die einfallenden Sonnenstrahlen durch den sogenannten photoelektrischen Effekt Elektronen in der ersten Schicht aus ihrer festen Bindung. Diese Elektronen wandern dann in die zweite Schicht des Halbleiters. So entsteht ein Stromfluss.

Sauberer Strom Solaranlage

Leider ist die Technik von Photovoltaik Zellen noch nicht sehr weit fortgeschritten. Bei der Umsetzung der eintreffenden Sonnenenergie spricht man von einem sogenannten Wirkungsgrad der Solarzellen. Je nach Technik und Modell schwanken diese sehr stark im Bereich zwischen 10 und 40 %. aber durchschnittlich noch unter 15%. Damit ist Photovoltaik immer noch die ineffizienteste Methode, Strom aus regenerativen Quellen zu erzeugen. Beim Kauf eines Solarpanels sollte daher auf jeden Fall auf den angegebenen Wirkungsgrad geachtet werden. Der Wirkungsgrad beschreibt den prozentualen Anteil an eintreffender Energie, der durch die Solarzelle zu elektrischer Energie umgewandelt wird.

Der größte Solarpark der Welt liegt im deutschen Leipzig. Die Anlage erstreckt sich über 400.000 Quadratmeter und produziert Strom mit einer Nennleistung von 40 Megwatt. Damit überholt die Anlage in Waldpolenz seinen Vorgänger aus Arnstein mit 12 Megawatt um Längen und läutet eine neue Generation von Solarparks ein.

Wasserkraftwerke

Ein Wasserkraftwerk ist ein Stromerzeugender Bau, der sich die kinetische Energie von Wasser zu Nutzen macht. Es gibt viele verschiedene Arten von Wasserkraftwerken:

Laufwasserkraftwerk

Sauberer Strom Wasserkraftwerke
Laufwasserkraftwerke liegen an fließenden Gewässern. Sie nutzen die Kraft des fließenden Wassers um Turbinen anzutreiben.

Speicherkraftwerk
Speicherkraftwerke speichern das Wasser in Wasserspeichern. Wird akut Energie benötigt, kann das Wasser frei gegeben werden, um so Energie bei Spitzenlasten zu erzeugen.

Pumpspeicherkraftwerk
Das Pumpspeicherkraftwerk ist eine der wenigen Methoden, mit denen elektrische Energie wirklich gespeichert werden kann. Nicht benötigte Energie wird genutzt, um Wasser in ein höher gelegenes Basin zu pumpen. So wird aus elektrischer Energie Höhenenergie. Wird die Energie wieder benötigt, kann das Wasser abfließen und dabei Turbinen antreiben.

Gezeitenkraftwerk
Gezeitenkraftwerke sind vor allem im Meer anzutreffen. Ähnlich wie ihre kleineren Verwandten, die Wellenkraftwerke, werden die Turbinen dieses Wasserkraftwerks von der Bewegung des Meeres angetrieben. Das Gezeitenkraftwerk nutzt dabei die Fließbewegung der Gezeiten (Ebbe und Fut).

Wellenkraftwerk
Wellenkraftwerke sind in der tieferen Brandung von Ufern angebracht. Sie erzeugen Strom durch die Kraft der aufschlagenden Wellen. Die Kraftwerke sehen aus wie große Ventilatoren, die sich durch die Wellenbewegung drehen.

Meeresströmungskraftwerk
Wie der Name schon sagt, können diese Wasserkraftwerke in den natürlichen Strömungen der Meere kinetische Energie zu elektrischer Energie umwandeln. Dazu werden die Kraftwerke in den Meeresströmungen verankert und fangen die ungeheure Kraft des Meeres so ein.

Schiffmühle
Die Schiffmühle ist eins der ältesten Wasserkraftwerke. Sie wurde früher genutzt, um zB Malsteine anzutreiben. Dazu wird ein Laufrad in den Flusslauf gelassen. Dieses Rad treibt durch die Bewegung des Flusses eine Turbine an.

Gletscherkraftwerk
Das Gletscherkraftwerk arbeitet nach den gleichen Prinzipien wie ein Pumpspeicherkraftwerk. Es nutzt die in Eis gebundene Höhenenergie des Gletscherwassers. Sobald der Gletscher schmilzt, wird das Gletscherwasser über Rohrleitungen abgeleitet und zur Stromerzeugung genutzt. Im Gletscherkraftwerk wird Höhenenergie zu elektrischer Energie.

Wasserwirbelkraftwerk
Ein Wasserwirbelkraftwerk ist im Prinzip wie ein großer Badewannenabfluss. Wasser wird in einen konischen Behälter geführt und fließt von dort in einer Wirbelbewegung in ein tiefer gelegenes Becken ab. Der Wasserwirbel treibt dabei eine Wasserturbine an.

Windkraftwerke

Ist es bei Wasserkraftwerken die kinetische Energie des Wassers, so ist es bei Windkraftanlagen die Bewegungsenergie des Windes, welche in elektrische Energie umgewandelt wird. Dabei bestehen die großen Türme meistens aus 3 Rotorblättern und einem drehbaren Rotorkopf. Die Rotoren sind so gebaut, dass sie den Wind optimal in kinetische Energie umwandeln können. Windenergie stellt in Deutschland weiterhin den größten Anteil an erneuerbaren Energien. Die großen Windkraft Türme stoßen in der Gesellschaft leider auf scharfe Kritik. Vor allem Landschaftsästhetiker sind der Meinung, die Windkraftanlagen würden die Landschaft verschandeln. Auch im Bereich Offshore Windkraftanlagen sind Stimmen laut geworden, die den Anblick der Windkraftanlagen im Wasser des Badestrandes verurteilen.

Sauberer Strom Windkraftwerke

Der größte Windpark der Welt befindet sich zur Zeit in Texas. Das kleine Städtchen Roscoe beherbergt einen Windpark mit sage und schreibe 627 Windkraftanlagen und einer Nennleistung von 781,5 Megawatt. Noch ohne Konkurrenz, steht dieser von EON finanzierte Windpark für eine neue Generation von Kraftwerken. In Planung ist allerdings bereits ein noch größerer Windpark. Mit 1500 geplanten Windkraftanlagen und einer Spitzenleistung von 9.000 Megawatt soll der Doggerbank Windpark in England alles Dagewesene in den Schatten stellen und neue Maßstäbe im Bereich Windenergie setzen.

Vielerorts gibt es heute Protestbewegungen, die sich gegen die Verschandelung der Landschaften durch große Windparks richtet. Wie alles, ist der Anblick eines Windrades oder einer großen Anzahl solcher Anlagen für viele eine echte Gewöhnungssache. An dieser Stelle ist die Tolleranz der Gesellschaft gefragt, aber auch der Ideenreichtum der Hersteller dieser Anlagen. Die Verschönerung durch z.B. Grafiti oder Anstriche sollte in Zukunft als Lösung dieses Problems bedacht werden. Und am Ende ist der Anblick eines Windrades

potentiell erträglicher als ein nachhaltiger Klimawandel oder eine ewige Endlagerung von radioaktivem Atommüll.

Windenergie ist eine hoch effiziente Form erneuerbarer Energien. Im Optimalfall einer theoretischen Windkraftanlage, die den Windstrom ohne Reibungsverluste nutzen kann, liegt der Wirkungsgrad der Windkraftanlage bei 59,3%. Durch mechanische Mängel und Reibungsverlust an den Rotorblättern liegt der tatsächliche Wirkungsgrad dann zwischen 40% und 50%. Da auch nicht immer der richtige Wind weht, ist diese Form der erneuerbaren Energien ziemlich unzuverlässig.

Sauberer Strom oder Ökostrom – Definitionssache

Welchen Strom beziehe ich als Verbraucher mit einem Ökostromtarif? Klare Regeln sind in diesem Bereich leider Mangelware. Die Beschaffenheit von Strom und die Infrastruktur unseres Stromnetzes macht es unmöglich zu gewährleisten, dass man als Ökostromtarif Kunde wirklich nur Ökostrom bezieht. Mit dem Abschluss eines Ökostromtarifs stelle ich sicher, dass die Menge an Strom, die ich verbrauche auch in Form von Ökostrom in das deutsche Netz gespeist wird. Je mehr Leute also einen Ökostromtarif abschließen, umso mehr Anteil am deutschen Strommix wird aus regenerativen Quellen stammen.

Der Strom, den ich dann aber beziehe, ist oft nicht der Strom, den ich bezahlt habe. Wieso? Das ist einfach zu erklären: Strom in Form von elektrischer Energie lässt sich nur sehr schwer und sehr verlustreich speichern. Die gezielte Umleitung von erzeugter elektrischer Energie in einem Windkraftwerk zu einer bestimmten Steckdose ist nicht möglich. Vielmehr entsteht im deutschen Stromnetz ein „Strommix“, der aus allen Energiequellen stammt. Dieser Mix aus Atom-, Kohle- und Ökostrom landet letztendlich im Haushalt eines Verbrauchers und wird sofort verbraucht und nicht gespeichert. Kurzum: Einen Ökostromtarif abzuschließen heißt im Klartext seinen Anteil zur Verbesserung des Strommixes in Richtung sauberer Strom beizutragen. Dank fehlender klarer Regeln, berechtigt ein Ökostromtarif nicht zur ausschließlichen Nutzung sauberen Stroms. Er sorgt nur dafür, dass sich der deutsche Strommix in die richtige Richtung entwickelt.

Der deutsche Strommix

Strom, der in Atomkraftwerken bzw. in Holzkohle- oder Steinkohlekraftwerken erzeugt wird, bezeichnet man folglich nicht als sauberen Strom. Dieser „dreckige“ Strom hinterlässt als Abfallprodukt entweder radioaktiven Abfall oder Treibhausgase, die zur Erderwärmung beitragen.

Strommix Deutschland 2010

Erdgas nimmt eine Sonderstellung bei der Stromerzeugung ein. Es steht zwar nicht endlos zur Verfügung, verbrennt aber dafür rückstandslos ohne Ascheentwicklung. Aber auch bei der Verbrennung von Erdgas entsteht, auch wenn verhältnismäßig wenig, klimaschädliches CO2. Im Jahr 2010 lag der Anteil des durch erneuerbare Energien erzeugten Stromes in Deutschland bei ca. 17%. Der Anteil des „dreckig“ erzeugten Stromes lag hingegen bei 65%.

Auch wenn dieser Strom noch einen Großteil des derzeitig in Deutschland erzeugten Stromes ausmacht, wird er in den nächsten Jahren weiter rückläufig sein und sauberem Ökostrom Platz machen. Ein ganz gravierender Grund, weswegen Sie sich sicher sein können, dass Ökostrom in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen wird, sind die Richtlinien der EU-Kommission.

Richtlinien für 2010 und 2020

Gemäß diesen Richtlinien vom 16.07.2003 wurde den europäischen Ländern vorgeschrieben, den Anteil von Ökostrom am Gesamtstrom bis 2010 auf 12,5% zu und bis 2020 auf 20% zu erhöhen. Zurzeit liegt der Anteil des Ökostroms am gesamten Stromverbrauch Deutschlands bei den bereits erwähnten ca. 17%. Daraus lässt sich einfach schlussfolgern, dass dieser Anteil um mindestens weitere 3% erhöht werden muss.

Stromeinspeisungsgesetz und Erneuerbare-Energien-Gesetz

Um diese abzusehenden Richtlinien einhalten zu können wurde bereits am 07.12.1990 das Stromeinspeisungsgesetzes (StromEinspG) erlassen, das am 01.01.1991 in Kraft getreten ist und erstmalig Elektrizitätsversorgungsunternehmen verpflichtete, elektrische Energie aus regenerativen Umwandlungsprozessen abnehmen und vergüten zu müssen. Dieses Gesetz wurde am 01.04.2000 vom Erneuerbare-Energien-Gesetz (EGG) abgelöst, das die bevorzugte Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Quellen ins Stromnetz regelt und den Erzeugern feste Mindestverkaufspreise garantiert.

In Folge dieses Erneuerbare-Energien-Gesetzes können nun auch Ökostromanbieter sicher in die Zukunft blicken. Auch für Sie als Privatperson macht es Sinn, sich für einen Ökostromanbieter und einen entsprechenden Ökostromtarif zu entscheiden. Denn durch die gesetzliche Zusicherung der Abnahme von Ökostrom zu einem Mindestpreis, können Ökostromanbieter wirtschaftlich arbeiten und faire, bezahlbare Preise anbieten. So macht es nicht nur Sinn sich aus ökologischen Gesichtspunkten für solch einen Anbieter zu entscheiden, sondern auch aus ökonomischen. Oftmals ist Ökostrom sogar bereits billiger als herkömmlicher Strom. Ein weiterer Vorteil eines Wechsels zu einem Ökostromanbieter ist, dass Sie sich unabhängig von etablierten Stromanbietern machen. Dadurch sind Sie deren willkürlichen Strompreiserhöhungen, die immer wieder allzu gern mit höheren Produktionskosten begründet werden, nicht mehr hilflos ausgesetzt.

Egal, ob Sie Ihren Stromanbieter wechseln oder bei Ihrem alten bleiben, der Verbrauch von Ökostrom wird in den nächsten Jahren weiter ansteigen und herkömmlicher Strom weiter zurückgedrängt werden. Es gibt sogar einige Prognosen des BMU, nach denen 2020 bereits mehr als 50% des Stromes aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Diese ambitionierten Prognosen sind vielleicht ein wenig mutig, könnten aber durchaus zur Realität werden, wenn jeder von uns seinen Beitrag leistet und zu einem Ökostromanbieter wechselt.

Wie Sie mit diesen Informationen viel Geld und Strom ganz umweltbewusst sparen können, verraten wir Ihnen auf den nächsten Seiten!

Strom sparen am Haus

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