In sechs Wochen zum Weltretter und Grünsparer werden

„Die Zeit der Ausreden ist ab sofort vorbei!“ – Mit dieser Ansage beginnt das Weltretter-Workout-Buch.
Geschrieben im Stile eines Workouts-Plans legen die Autoren des rap-Verlags ein Umwelt-Fitness-Buch vor, das auf motivierende, verständliche und alltagsnahe Art und Weise zum Ressourcen- und Energieschonen bewegen soll.

„Ökologisches Übergewicht“ ermitteln

Zunächst muss der Leser einen Weltretter-Test machen, indem das „ökologische Übergewicht“ ermittelt werden soll. Der Test orientiert sich dabei an den Konzepten der CO2-Bilanz, des ökologischen Fußabdrucks und des ökologischen Rucksacks, d.h. grob an dem CO2-Ausstoß und Energie- und Ressourcenverbrauchs eines jeden Konsumenten.
Über 49 Fragen und noch mehr Antwortmöglichkeiten sollen die eigenen Lebensgewohnheiten bzw. ihre indirekte Auswirkung auf das Klima erfassen und somit im übertragenen Sinne das ökologische Übergewicht. Je mehr Punkte man erreicht, desto mehr klimaschädliche Pfunde hat man angehäuft – Zeit für eine Diät. Die Rubriken des Tests gliedern sich in Wohnen und Energie, Mobilität, Ernährung, Konsum und Müll auf. Am Ende stehen zwei dieser möglichen „Problemzonen“ fest. „Hier geht es aber nicht darum, dir ein schlechtes Gewissen zu machen oder ordentlich die Moralkeule zu schwingen. Wir sehen das jetzt einfach mal sportlich: je mehr Punkte du angehäuft hast, desto mehr kannst du noch erreichen, desto mehr lohnt sich jedes kleine Weltretter-Workout ….“

Die fünf Problemzonen trainieren

Für alle möglichen Problemzonen, die angegangen werden sollen, gibt es auf den folgenden Seiten Tipps, wie man in der jeweiligen Kategorie in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zu „Weltretterpunkten“ kommt, sprich wie man nun sechs Wochen lang Energie und Wasser einsparen, Ressourcen schonen, den CO2-Ausstoß verringern und generell umweltbewusster handeln kann.
Die Tipps sind teils altbekannt (kein Stand-by, Zugluft stoppen, Sparduschköpfe verwenden, Fahrrad statt Auto, LEDs nutzen und bei Elektrogroßgeräten auf eine hohe Energieeffizienzklasse zu achten), teils einfallsreicher und noch nicht so oft gehört wie z.B. einen Kompost nutzen, damit weniger Biomüll abtransportiert werden muss, einen Öko-Tarif über den NABU fürs Handy abschließen, den Saft selbst pressen, um Verpackungsmüll zu vermeiden und Orangen zu verwenden, die nicht wie die 90 % des herkömmlich konsumierten Orangensafts aus Brasilien kommen, denn so werden Transportwege deutlich verkürzt.
Die Autoren raten u.a. auch dazu, einen Thermobecher für den „Kaffee to go“ immer parat zu haben,Küchenkräuter lieber selbst zu ziehen als abgepackte, gekühlte zu kaufen.

Interessant ist die Rechnung der Verfasser, dass man jährlich durchschnittlich 30 Kilo Werbeprospekte im Jahr bekommt, dies etwa 6 Kilo CO2-Ausstoß entspricht und man daher ein „Bitte keine Werbung“ gegen die ohnehin meist unerwünschte Papierflut ankleben solle.
Akkus statt Batterien benutzen (35 000 Tonnen Batterien werden laut den Verfassern pro Jahr allein in Deutschland gekauft), Druckerpatronen über eine Sammelbox entsorgen und anstatt Textmarker grelle Buntstifte nehmen. Zahnbürsten, meinen die Ideengeber, müssen nicht aus Plastik sein, sondern seien aus Bambus besser was die Ökobilanz angeht.
Des Weiteren solle man den saisonalen Gemüsekalender für Obst und Gemüse beachten, und biologisch angebautes dem konventionellen vorziehen, öfters vegetarisch essen, mehr regionale Kartoffeln als asiatischen Reis zu sich nehmen, Wasser zum Kochen im Wasserkocher vorkochen und ein „Aufschneider“ sein, d.h. alle Tuben aufschneiden, um an den Rest ihres Inhalts zu kommen. Außerdem könnten die auf Lebensmitteln angegebenen Mindestaltbarkeitsdaten kritisch mit den eigenen Sinnen hinterfragt werden.
Ein Workout-Plan, der dem Buch beiliegt, kann nun individuell anhand der zahlreichen Vorschläge ausgefüllt und verschiedene Etappenziele in sechs Wochen herausgearbeitet werden. (Den Plan bekommt man auch hier: www.rap-verlag.de/workoutplan)

Auswertung des Trainings „der etwas anderen Art“

Im 5. Kapitel geht es an die Auswertung des Trainings „der etwas anderen Art“. Anhand der addierten Punkte bzw. der in die Tat umgesetzten Tipps kann man sein Weltretter-Level ermitteln – dieses ist auf eher flapsigem Niveau gehalten, was aber zum Stil des Buches passt. Sollte man seine „ökologischen Pölsterchen“ oder auch die komplette „Öko-Wampe“ zwar erfolgreich abgebaut haben, warnen die Autoren allerdings vor dem Jo-Jo-Effekt und führen anschließend Tipps auf, wie man das neue Gewicht hält („Bleib am Ball“, „Suche Verbündete“), also die Tipps über die sechs Wochen hinaus dauerhaft ins alltägliche Leben übernimmt.

Bewertung des Buches

Alle Vorschläge tun natürlich nicht weh; umgesetzt schränken die meisten nicht einmal den gewohnten Komfort ein. In einer reichen Region der Welt lebend, wo wir (noch) nicht direkt vom Klimawandel betroffen sind, wo es ausreichend Wasser gibt und extreme Wetterverhältnisse die Ausnahme sind, wirken die Ermahnungen oder Ermunterungen zum Energie- und Ressourcensparen daher meistens über das Argument der eigenen finanziellen Ersparnis. So auch in diesem Buch und ebenso der Gedanke bei unseren Grünspar-Artikeln. Viele Tipps aus dem Buch sind längst bekannt, doch aus welchem Anlass man es schließlich auch macht und das am besten dauerhaft: jeder gelebte Tipp aus dem Weltretter Workout bringt etwas und spart entweder Strom oder Wasser ein, unterstützt bessere Tierhaltungsbedingungen, schont Ressourcen oder reduziert die Luftverschmutzung.
Der wichtige und ernste Aspekt, umweltfreundlicher zu leben, wird anhand dieser Aufmachung aufgelockert. Informativ und lehrreich, aber eben nicht oberlehrerhaft kommt es daher und macht deswegen Spaß zu lesen.

Das Weltretter Workout. In 6 Wochen zum Weltretter, rap Verlag, 148 Seiten, 14.90 Euro, ISBN: 978-3-942733-28-1
Das Buch gibt es übrigens auch als Auflage für Kinder (Der kleine Weltretter. Das Mitmach-Buch für kleine Umweltschützer, rap Verlag, 232 Seiten, 16,90 Euro, 978-3-942733-27-4)
www.rap-verlag.de

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