Werden Photovoltaikanlagen eigentlich recycelt?

Photovoltaikanlagen genießen einen guten Ruf. Nachhaltiger und umweltschonender Strom soll durch sie produziert werden. Die Nachhaltigkeit und die Unabhängigkeit wird Betreibern immer wichtiger und ist in vielen Fällen sogar wichtiger als die reine Rendite. Doch um eine komplett nachhaltige Stromerzeugung zu erreichen, dürften Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) nach vollendeter Lebensdauer nicht einfach entsorgt werden. Noch ist die Entsorgung von Photovoltaikanlagen kein großes Thema, doch ab 2015 wird es eine erste Welle ausgedienter Anlagen geben. Derzeit arbeiten die namenhaften Hersteller der Solarindustrie mit Hochdruck an einer Kreislaufwirtschaft für Photovoltaikanlagen. Auch eine neue EU-Richtlinie soll diese Entwicklung beschleunigen.

Warum ist Recycling bei Photovoltaikanlagen sinnvoll?

Recycling ist bei PV-Anlagen besonders wichtig. Zum einen machen die wertvollen Bestandteile eine Wiederverwertung sehr ökonomisch, zum anderen verbessert sich die Umweltbilanz einer Anlage durch Recycling enorm. Der Bedarf an Primärstoffen für die Herstellung von weiteren Anlagen kann durch Recycling deutlich gesenkt werden. Grundlage hierfür ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Des Weiteren schont ein konsequentes Recycling die Umwelt und verhindert die Freisetzung von giftigen Stoffen.

Wer recycelt die Photovoltaikanlagen?

Im Juli 2007 haben acht Unternehmen der PV-Industrie zusammen den PV CYCLE gegründet. Dieser Verband hat sich freiwillig zu einem branchenweiten Rücknahme- und Recyclingprogramm verpflichtet. Mittlerweile präsentiert PV CYCLE über 85% des europäischen PV-Marktes. Das heißt alle PV-Anlagen, die von einem der Mitglieder produziert wurden, können beim Verband kostenfrei entsorgt werden. Europaweit gibt es rund 270 Sammelstellen.

Wie umweltfreundlich und effizient ist das Recycling?

Die Umweltbilanz des PV-Recyclings hängt stark von dem gewählten Verfahren ab. Die schlechteste Variante ist die der Müllverbrennung. Die recycelten Materialien sind minderwertig und eine Kostenreduktion nicht möglich. Für eine befriedigende Recyclingrate sorgen sogenannte Pilotanlagen. Diese sortieren manuell und können so wertvolle Stoffe recyceln, jedoch zu einem hohen Kostenaufwand und bei geringer Geschwindigkeit. Für durchweg hohe Energie- und Kosteneffizienz kann nur eine automatisierte Anlage sorgen. Dies dank hohem Durchsatz und hochwertigen Endprodukten, die gewinnbringend zurückgewonnen werden können. Durch ebendiese automatisierten Recycling-Prozesse können Recyclingraten von über 95% erreicht werden. Die Wiederaufbereitung von Materialien hat natürlich Einfluss auf die gesamte Energie- und Ökobilanz einer PV-Anlage. Module, die nicht aus recyceltem Material hergestellt sind, brauchen drei mal so lange bis sie die zu ihrer Herstellung erforderliche Energie erzeugt haben, als Module mit recycelten Zellen.

Recycling ist gesetzlich vorgeschrieben

Seit 2012 ist das Recycling kein freiwilliges Entgegenkommen der Hersteller mehr. Die EU Richtlinie WEEE (Waste of Electrical and Electronic Equipment) befasst sich mit der umweltgerechten Entsorgung von Elektroschrott. Seit in Kraft treten der Änderung im August 2012 fallen nun auch Photovoltaikanlagen unter diese Richtlinie. Deshalb sind PV-Produzenten verpflichtet Module kostenlos zurückzunehmen und zu recyceln.

 

Recyclingkreislauf einer Photovoltaikanlage

Quelle: Käuferportal

2 Kommentare

  1. Toller Artikel! Das Thema Entsorgung wird in Zukunft sehr wichtig werden! Auch die wartungsärmsten Solaranlagen mit den längsten Lebensdauern geben irgendwann die Geist auf. Und damit man sich nicht durch die falsche Entsorgung seine Öko-Bilanz ruiniert, müssen solide Lösungen her.

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