Der Wasserfußabdruck – Warum wir 140 Liter Wasser für eine Tasse Kaffee benötigen

Das Thema Wassersparen beschäftigt uns regelmäßig: Wir lesen darüber in den Medien und versuchen unseren Alltag wassersparend zu gestalten, indem wir beim Zähneputzen kein Wasser laufen lassen oder einen Duschkopf verwenden, der den Wasserverbrauch reguliert. Fakt ist, dass die Deutschen schon ziemlich gut im Wassersparen sind. Doch wie viel Wasser verbrauchen wir, ohne dass wir es überhaupt bemerken? Im Folgenden beschäftigen wir uns mit dem virtuellen Wasser – also dem gesamten Wasser, das zur Herstellung eines Produkts benötigt wird – und dem sogenannten Wasserfußabdruck, den wir damit hinterlassen.

CO2-Fußabdruck und ökologischer Fußabdruck

Im Gegensatz zum noch unbekannteren Wasserfußabdruck sind der CO2-Fußabdruck sowie der ökologische Fußabdruck vielen Menschen bereits geläufige Begriffe, besonders wenn man sich mit Themen wie Klimawandel oder Nachhaltigkeit beschäftigt. Während der CO2-Fußabdruck den durchschnittlich produzierten Kohlenstoffdioxid-Ausstoß pro Kopf innerhalb eines Landes misst und sich dabei am regionalen Lebensstil orientiert, definiert der ökologische Fußabdruck den Ressourcenverbrauch einer Person und veranschaulicht damit, wie viel Erdoberfläche pro Kopf innerhalb einer Nation benötigt wird, um einen bestimmten Lebensstandard zu sichern. Während sich der CO2-Fußabdruck also auf den belastenden Kohlenstoffdioxid-Ausstoß konzentriert, hebt der ökologische Fußabdruck den Verbrauch der benötigten Ressourcen hervor.

Wasserfußabdruck – Ein Indikator für den Wasserverbrauch

Um den Wasserverbrauch eines Landes und seiner Bevölkerung zu verbildlichen, gibt es äquivalent zum CO2- und zum ökologischen Fußabdruck den Wasserfußabdruck. Dieser Indikator für den Wasserverbrauch definiert die Menge an Wasser, die für die Herstellung von Produkten und Dienstleistungen innerhalb einer Bevölkerung eines Landes verbraucht wird. Für die Berechnungen des Wasserverbrauchs eines Landes werden die Wassermengen von der Herstellung zum Produkt über den Konsum bis hin zur Entsorgung berechnet. Bis wir also ein Produkt letztendlich konsumieren, durchläuft es eine ganze Reihe von Lieferketten, die allesamt den Wasserverbrauch steigern. Aber auch nach dem Gebrauch einer Ware wird Wasser benötig, um das Produkt zu recyceln.

Der Wasserverbrauch als Fußabdruck berücksichtigt nicht nur den sichtbaren oder direkten Wasserverbrauch im Haushalt, sondern ebenso den indirekten Verbrauch des Wassers. Beispielswiese werden für die Herstellung von 1 Liter Milch circa 1000 Liter Wasser benötigt, weil bereits für die Milchviehhaltung Wasser benötigt wird. Nimmt man den Wasserverbrauch zur Herstellung von Produkten unter die Lupe, dann wird ersichtlich, dass der indirekte Verbrauch an Wasser in einen internen als auch in einen externen Wasserverbrauch unterteilt werden kann. Dabei wird dem internen Wasserverbrauch das gesamte im Inland verwendete Wasser zugeschrieben, das gebraucht wird, um beispielsweise einen Liter Milch herzustellen. Auch die Produktion im Ausland führt zum Verbrauch von Wasser, was in diesem Kontext als externer Wasserverbrauch bezeichnet wird. In diesem Sinne wird jedem Land also ein interner als auch ein externer Wasserfußabdruck zugeordnet.

Der WWF, die weltgrößte Natur- und Umweltschutzorganisation, hat 2009 eine Studie in Auftrag gegeben, die den deutschen Wasserverbrauch hinsichtlich seiner landwirtschaftlichen Produktionen bestimmt hat, um so einen empirisch gehaltvollen Wasserfußabdruck für Deutschland zu definieren. Laut dieser Studie umfasst der indirekte Wasserverbrauch in Deutschland täglich mindestens 5.280 Liter pro Bürger und entsteht zu etwa 69 Prozent im Zuge des Imports. Die WWF-Studie ergab zwar, dass der Wasserverbrauch in der deutschen Industrie sowie den Haushalten abgenommen hat, der Fußabdruck des Wasserverbrauchs für Deutschland aber trotzdem ansteigt, was unter anderem an der Zunahme der Importgüter liegt.

Ein Netzwerk für den Wasserfußabdruck

Das Water Footprint Network ist ein Pool an Wissenschaftlern und UN-Mitarbeitern, das sich damit befasst, wie viel Wasser durch die Industrie- und Landwirtschaft verbraucht wird. Weiterhin spielen aber auch die qualitative Verunreinigung des Wassers und das Verdunsten durch Vegetation eine tragende Rolle bei den Untersuchungen des Netzwerkes. Im Kern beschäftigt sich das Water Footprint Netwerk mit dem virtuellen Wasser. Dieser Begriff umfasst die relative Aufwendung an Wasser, um eine Ware herzustellen. Professor Arjen Y. Hoekstra ist der Begründer des Wasserfußabdruck-Konzeptes. Nach Hoekstra soll das Konzept zur Regulierung des industriellen Wasserverbrauchs dienen und nachhaltige Lösungen für Industrie und Landwirtschaft anbieten. Das Konzept des Wasserfußabdrucks soll Defizite wie Wasserverschmutzung und Wasserknappheit für Industrie und Landwirtschaft erkennbar und vergleichbar machen, um so den negativen Prozessen einen Riegel vorzuschieben und sich an Ländern mit einem gesünderen Wasserverbrauch zu orientieren.

Nach Angabe der Organisation, die sich dem Wasserfußabdruck widmet, verbraucht ein amerikanischer Bürger etwa doppelt so viel an virtuellem Wasser wie ein Einwohner in Deutschland.

Alltäglicher Wasserverbrauch

Wie viel Wasser wir tatsächlich täglich benötigten, um unseren aktuellen Lebensstandard auszukosten, das ist vielen unvorstellbar. Bereits der Genuss von nur einem Kilogramm Rindfleisch beansprucht mindestens 15.400 Liter Wasser. Da staunt mancher wahrscheinlich nicht schlecht, aber wenn man bedenkt, was die Aufzucht eines Rindes alles beinhaltet, dann bekommt diese Summe doch zunehmend Gehalt. Neben dem werden für die Herstellung einer Jeans rund 6.000 Liter Wasser benötigt und um eine Tasse Kaffee zu trinken, werden erst einmal rund 140 Liter Wasser aufgewendet. Um den Jahresbedarf an Weizen für eine Person in Deutschland abzudecken, gehen 158 Kubikmeter an Wasser und so könnte man natürlich noch viele weitere Beispiele vortragen (Quelle: www.waterfootprint.org/Reports/Sonnenberg-et-al-2009-Wasser-Fussabdruck-Deutschlands.pdf ). Letztlich veranschaulicht diese Aneinanderreihung sehr bildhaft, dass sowohl die Produktion als auch der Konsum von Gütern unheimlich belastend für die weltweiten Süßwasserdepots ist.

Wie man als Einzelner den Wasserverbrauch reduzieren kann

Wer die Umwelt auch als einzelne Person mehr entlasten möchte, der kann sich beim Einkaufen an den diversen ökologischen Prüfsiegeln orientieren, die heute im Umlauf sind. Man kann außerdem Produkte wie z.B. Fleisch und andere tierische Produkte oder Kaffee, die einen hohen virtuellen Wasserverbrauch haben, bewusster genießen und den alltäglichen Verbrauch reduzieren. Aussortierte Kleider finden im Freundeskreis oder Secondhand-Shop vielleicht einen neuen Besitzer, der auf diesem Wege umweltfreundlich glücklich gemacht wird, was auch wieder den Wasserverbrauch minimiert.

Zum Water Footprint Calculator: www.waterfootprint.org/?page=cal/WaterFootprintCalculator

3 Kommentare

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