Sonnenenergie im Winter

Es hält sich hartnäckig. Damit sind nicht das schlechte Wetter oder die niedrigen Temperaturen gemeint. Es geht um ein Gerücht. Alles was neu ist, wird erstmal in einem endlosen Wirrwar von Halbwissen gefangen genommen und nicht mehr losgelassen. Das liegt wohl in der Natur des Menschen. Wenn etwas neu ist, versuche erst, den Haken dan der Sache zu finden. Denn einen Haken gibt es immer. Falsch. Einen Haken gibt es nicht immer. Es gibt durchaus Dinge, die einfach besser sind. Würde es nichts geben, was beanstandungslos besser ist als der Standard, gäbe es keinen Fortschritt.

Es geht um ein Gerücht im Gebiet der erneuerbaren Energien. Es ist kein neues Gerücht. Es ist ein Gerücht, das so alt ist, wie die Technologie, um die es dabei geht. Photovoltaik. Keine Sonne, kein Strom. So denkt sich das der durchschnittliche Bürger. Stimmt auch. Bei Solarzellen ist es nun mal so, dass sie sich nur durch Sonnenenergie speisen lassen. „Na toll“, sagt der Unwissende. „Ist mal wieder nur was für den Sommer“. In den Köpfen der uninformierten Bevölkerung ist es so: Kommen Wolken auf, ist der Strom weg. Wird das Wetter schlecht, geht das Licht aus. Im Sommer muss also der Strom für den Winter produziert werden.

Das ist so nicht richtig. Photovoltaik funktioniert auch bei schlechtem Wetter. Statistisch gesehen, wird im Winter genau ein viertel der Jahresproduktion an PV-Energie produziert. 4 Jahreszeiten. Ein Viertel der Jahresenergie. Das Rechnen überlassen wir euch. Sonnenenergie ist nicht nur das, was wir als Wärme auf der Haut empfinden. Die Wärme ist viel mehr eine Folge direkter Sonneneinstrahlung. Photovoltaik fängt aber keine Wärme auf, sondern bestimmte Strahlungen. Diese Strahlungen gibt es auch bei Wolken und auch im Winter.

Der einzige wirkliche, winterliche Feind von Photovoltaikanlagen ist Schnee. Schnee reflektiert Sonnenenergie zu einem hohen Prozentsatz. Ist die Photovoltaikanlage auf dem Dach mit Schnee bedeckt, kann sie nicht mehr vernünftig arbeiten. Das Rezept für die Abhilfe ist simpel: Nein, ihr müsst nicht auf euer Dach klettern und den Schnee entfernen. Der Neigungswinkel des Daches und somit der PV-Anlage spielt hier eine große Rolle. Wenn das Dach spitz genug ist, rutscht der Schnee von selber wieder runter.

Problem gelöst, Gerücht entkräftet.

 

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2 Kommentare

  1. Die Photovoltaik soll also völlig unabhängig von Wetter und Jahreszeiten sein … da staunt der Laie (also auch ich), und der Fachmann wundert sich 😉 über so eine kühne These ohne jeglichen Beleg!

    Es wird zwar auch noch bei diffusem Tageslicht (Bewölkung, Schatten) und im Winter (kurze Tagesdauer, tiefer Sonnenstand) etwas Solarstrom erzeugt, aber wesentlich weniger als bei optimalen Bedingungen. Das ist ja schließlich der entscheidende Standortvorteil des Desertec-Projekts in Nordafrika, und der Grund, warum Sonnenenergie in Südeuropa schon länger zur Warmwassererzeugung auf Hausdächern genutzt wird!

    Bei Wikipedia heißt es dazu:
    „Die Erzeugung von Solarstrom ist statistisch sehr gut vorhersagbar (Log-Normalverteilung der Häufigkeitsdichte der erzeugten Leistung). Sie unterliegt einem typischen Tages- und Jahresgang. Diese Kurve wird überlagert durch die Wetterabhängigkeit der Sonneneinstrahlung. Auch diese lässt sich inzwischen durch Wetterbeobachtung sehr gut vorhersagen. Deshalb kann Solarstrom im Sommer zur Deckung eines Teils der Mittellast um die Mittagszeit genutzt werden. Allerdings kann auch im Sommer die Erzeugung von Solarstrom wetterbedingt bis auf die Grunderzeugung von Solarstrom aus diffusem Licht einbrechen. Im Winter aber kann Solarstrom zur Deckung der Mittellast nicht genutzt werden. Die Mittellasterzeugung muss im Winter mehr oder weniger komplett durch andere Kraftwerke übernommen werden.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Photovoltaik#Schwankung_des_Angebots
    Dort wird der Tages- und Jahresgang der Solarstromerzeugung auch durch vier Grafiken veranschaulicht.
    Und unter „Grundlagen – Technische Beschreibung“ findet man die Aussage:
    So kann eine fest installierte Solaranlage in Deutschland im Juli einen gegenüber dem Dezember bis zu fünfmal höheren Ertrag aufweisen.

    Als Anmerkung zum letzten Absatz („Der einzige wirkliche, winterliche Feind von Photovoltaikanlagen ist Schnee.“):
    Allerdings wird der kürzere und weniger intensive winterliche Sonnenschein ggf. von umgebenden Schneeflächen reflektiert – das kann dazu beitragen, den geringeren Solarstrom-Ertrag im Winter etwas zu verbessern.

  2. Dass es Schwankungen gibt, will ich gar nicht bestreiten. Dass diese Wetterabhängig sind und eine Wolkendecke einen guten Teil der relevanten Strahlung filtert ist auch richtig. Der Witz ist nur: Statistisch gesehen ist der Winter in Deutschland nicht viel bedeckter als andere Jahreszeiten. Was ich damit eigentlich sagen wollte: Temperaturen haben mit der Stromgewinnung nichts zu tun. Lediglich an bedeckten Wintertagen wird der Ertrag eines Solarpanels geringer sein. Über den gesamten Winter gesehen ist es aber statistisch so, dass ungefähr gleich viel Strom produziert wird, wie zu anderen Jahreszeiten.

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