PV-Anlagen Eigenverbrauchsumlage wirtschaftlich

PV-Anlagen trotz Eigenverbrauchsumlage wirtschaftlich

Mit Zustimmung des Bundesrats und der EU-Kommission wird die umstrittene EEG-Reform (Erneuerbare-Energien-Gesetz) in ihrer aktuellen Fassung am 1. August in Kraft treten. Was bedeutet die EEG-Reform nun insbesondere für kleinere Photovoltaik-Anlagen (PV-Anlagen), beispielsweise auf Eigenheimen? Wir haben uns die wichtigsten Neuregelungen einmal angeguckt und nachgerechnet, ob sich privatbetriebene PV-Anlagen noch lohnen.

Einführung einer Eigenverbrauchsumlage für PV-Anlagen

Die für zukünftige Solaranlagenbetreiber wohl wichtigste Neuerung innerhalb der EEG-Reform ist die Einführung einer Eigenverbrauchsumlage. Auf jede selbst verbrauchte Kilowattstunde Strom der eigenen PV-Anlage muss der Betreiber dann einen bestimmten Prozentsatz der aktuell geltenden EEG-Umlage zahlen. Ab August bis zum Ende 2015 sind 30 Prozent, bis Ende 2016 dann 35 Prozent und ab 2017 40 Prozent fällig. Dies gilt für alle Photovoltaik-Anlagen, die ab August 2014 in Betrieb gehen außer für Anlagen, mit weniger als zehn Kilowatt (kW) Leistung. Bestehende Anlagen sind ebenfalls befreit, sofern bereits PV-Strom bis zum Ende Juli selbst verbraucht wurde.

Höhe der Eigenverbrauchsumlage mittelfristig bei 2 Cent pro kWh

Doch was bedeutet das jetzt für Neuanlagen über 10 kW? Möchte man sich z. B. eine Anlage bis Ende des Jahres zulegen und Strom auch selber verbrauchen, so werden auf Grundlage der aktuellen EEG-Umlage 2014 von 6,24 Cents pro kWh eine Eigenverbrauchsumlage von 1,83 Cents pro kWh fällig. Diese 30 Prozent gelten nun aber nicht für die nächsten 20 Jahre, sondern steigen sukzessive auf oben genannte 40 Prozent ab 2017. Ob sich die Belastung auf den Eigenverbrauch dann absolut erhöht oder absenkt, ist von der zukünftigen EEG-Umlage abhängig. Experten gehen davon aus, dass sich diese nur noch sehr leicht erhöhen und dann abnehmen wird. Die Eigenverbrauchsumlage dürfte daher insgesamt mittelfristig unter 2 Cents pro kWh bleiben und langfristig sogar absinken.

PV-Anlagen bleiben dennoch rentabel

Wir haben nun anhand des Eigenverbrauchsrechners für Solarstrom einmal nachgerechnet, ob sich unter den neuen EEG-Konditionen ein Kauf einer Anlage immer noch lohnt. Geht man von einer 15 kWp PV-Anlage in Norddeutschland aus, so ergeben sich trotz Eigenverbrauchsaumlage eingesparte Stromkosten von etwa 300 Euro und Erlöse durch die Einspeisevergütung von rund 1.100 Euro pro Jahr. Bei einer Investitionssumme von 28.000 Euro ist also immer noch mit einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 5% zu rechnen.

Von der Umlage sind Anlagen auf Eigenheimen in der Regel ausgenommen

Da typische Solarstromanlagen auf Eigenheimen in aller Regel weniger als 10 kWp haben und von der Abgabe ausgenommen sind, können auch diese Anlagen immer noch rentabel betrieben werden. Daher ist trotz gesunkenen Interesses an der Neuinstallation einer PV-Anlage davon auszugehen, dass der PV-Markt durch die Eigenverbrauchsumlage lediglich ab- aber nicht ausgebremst wird. Zudem arbeitet auch der konventionelle Strommarkt für die Photovoltaik: Denn je weiter der Haushaltsstrompreis steigt, desto rentabler wird der Eigenverbrauch. Die Eigenverbrauchsumlage von etwa 2 Cents pro kWh könnte also schon in wenigen Jahren durch den Haushaltsstrompreis kompensiert werden.

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Ein Gastbeitrag von Robert Dölling. Dieser ist zuständig für die Social Media-Aktivitäten bei der DAA, der Deutsche Auftragsagentur GmbH, und schreibt privat für die Energieblogger.

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2 Kommentare

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  2. PV-Anlagen trotz Eigenverbrauchsumlage wirtschaftlich ?

    Auch wenn nun eine „Beteiligung“ an der Umlage plus MwSt mit einer solchen Kombination verbunden ist, möchte ich die Titelzeile „umtaufen“ :

    PV-Anlagen WEGEN Eigenverbrauchsumlage wirtschaftlich !

    Auch wenn es bislang keinerlei gern auch negative – überhaupt eine – Resonanz auf meine Darstellung, jede ungezählte kWh „Eigenverbrauch“ die ja unvermeidbar ist, ist wegen der juristischen Konstellation bei Volleinspeisung mit 100% der Umlage inkl. MwSt belegt, bleibe ich hartnäckig – verbohrt – und stelle fest dieser Teil des neuen EEG ist für alle welche sich zur Überschusseinspeisung entschließen, ein finanzieller Vorteil.

    Nur 30, 35, 40% der Bruttoumlage ist immer günstiger als 100% wie das am 25.06.2014 der BDEW Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V in seiner Pressemitteilung fordert. Die möchten eine „Pauschale“, einen geschätzte Eigenverbrauch einführen. Eine sehr gewitzte Forderung, weil damit ein fixer Eigenverbrauch festgeschrieben würde der dann zu 100% mit der Umlage verteuert werden soll. Klar, bei dieser „Pauschale“ würde man versuchen ein Maximum zu erreichen. Die Folge, es wäre gleichgültig ob tatsächlich ein Eigenverbrauch stattfindet – z.B. im Urlaub, bei jeder längeren Abwesenheit der Hausgemeinschaft – immer würde ein „Höchstmaß“ an Eigenverbrauch „vermutet“.

    Tatsächlich liegt der physikalisch bedingte Eigenverbrauch zwischen 20 und 30% (was sich durch empirische Werte sicher belegen ließe).

    Bei den inzwischen ~2,2fach kleineren Einspeisevergütungen (gegenüber dem aktuellen Bezugstarif), ist jede kWh die per „Volleinspeisung“ ins O-Netz fließt ein sehr, sehr billiges Geschenk an das „empfangende EVU“ welches jede so gewonnene kWh mit dem 2,2fachen Bruttopreis weiterverkauft – im Fall des Volleinspeisers gleich an den vormaligen Produzenten dieser kWh.

    Wen Einzelheiten zu meiner Behauptung interessieren kommt über „Rainer“ direkt zum Startbeitrag auf unserer Webseite, wo ich versucht habe dieses besondere „Phänomen“ näher zu erklären. Im letzten Abschnitt finden sich neben Links zu „Kirchhoff“ auch ein Link zur genannten Pressemitteilung des BDEW.

    Insgesamt möchte ich noch „einen Schritt“ weitergehen, mein Konzept, die PV möglichst eng an den jeweiligen Benutzer angepasst, verfügt über ein Speichersystem (Batteriespeicher, „intelligentes Management“ aller Geräte die Wärme und oder Kälte speichern können, sowie automatisiertes Verlegen der Nutzung el. Geräte in die „Sonnenzeiten“). Besonderheit, das System ist immer dann „netzunabhängig“, wenn die eigene Leistung ausreicht – die Verbindung zwischen O-Netz und PV-Anlage, besteht zu keinem Zeitpunkt. PV und Zubehör ist immer „galvanisch“ vom O-Netz getrennt und zuverlässig gegen Verbindungen „verriegelt“.

    Klar, eine solche Anlage erfordert auch entsprechende Veränderungen in der Hausinstallation. Hier würde auch ein Chance für eingetragene Elektroinstallateurbetriebe liegen. Sowieso Renovierungen und ähnliche Ereignisse wären geeignete Zeitpunkte die gesamte el. Anlage entsprechend anzupassen. Bei Neuanlagen können bestimmte Veränderungen die notwendige Voraussetzungen schaffen und und und….

    „Ganz nebenbei“ würde so eine PV auch dann von Nutzen sein, wenn – warum auch immer – das O-Netz nicht liefert. Bislang sind ~1,15 Millionen PV-Kleinanlagen dann ebenfalls „tot“, weil a) die Synchronisierung zum 50Hz Netz fehlt und b) aus Sicherheitsgründen auf keinen Fall in ein abgeschaltetes O-Netz eingespeist werden darf ! a) ließe sich ändern – b) muss unter allen Umständen weiter gelten !!!

    „Phantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt“
    Albert Einstein

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