quecksilber

Quecksilber in Energiesparlampen

Seit dem 1. September 2012 sind mit den  40- und 25Watt Glühbirnen auch die letzten Varianten der Edison-Erfindung aus den Verkaufsregalen verbannt worden. Das EU-Glühbirnenverbot ist im September 2009 in Kraft getreten und soll dem hohen Stromverbrauch in der EU entgegenwirken. Im Zuge des Verbots wurde besonders die Kompaktleuchtstofflampe, besser bekannt als Energiesparlampe, als Ersatz für die herkömmliche Glühbirne durch die Europäische Union angepriesen. Eine 11 Watt Energiesparlampe kann mit der heutigen Technik eine 60 Watt Glühbirne ersetzen und spart so rund 80% an Strom ein. Außerdem besitzt sie mit einer durchschnittlichen Haltbarkeit von 10.000 Stunden eine 10 Mal so lange Lebensdauer. Trotzdem hat die Energiesparlampe in der öffentlichen einen sehr schlechten Ruf.

Energiesparlampen zu Unrecht verurteilt

Dies liegt im Besonderen an der Tatsache, dass diese Art von Leuchtmittel Quecksilber enthält. Spätestens seit dem Verbot von quecksilberhaltigen Fieberthermometern, Barometern und Blutdruckmessgeräte innerhalb der EU, sind die Gefahren dieses Stoffes auch der breiten Öffentlichkeit bekannt. Deshalb ist es nur mehr als verständlich, dass viele Menschen Angst vor der Verwendung von Energiesparlampen in ihren Haushalten haben.

Bei dem Quecksilbergehalt einer Energiesparlampe muss man besonders das Verhältnis zu anderen Produkten beachten. Laut einer Studie von Stiftung Warentest (03.12.2010) enthalten Energiesparlampen durchschnittlich rund 2 Milligramm  Quecksilber [1] und liegen damit deutlich unter der gesetzlichen Höchstgrenze von 3,5mg [2]. Zum Vergleich:

– Ein Kilogramm Thunfisch enthält bis zu 1mg Quecksilber [3]. Das Quecksilber gelangt bei Verzehr direkt in den Körper. Jährlich isst im Durchschnitt jeder Bürger in Deutschland rund 1,75kg Thunfisch. Das entspricht also bis zu 1,75mg Quecksilber in jedem Jahr. Im Gegensatz dazu nimmt man beim Zerbrechen einer Energiesparlampe nur einen Bruchteil der 2 Milligramm Quecksilber auf. Die Quecksilberkonzentration im Thunfisch ist nach verschiedenen Studien für den Menschen ungefährlich.

– Auch Leuchtstoffröhren, meistens zu finden in Parkhäusern, Geschäften und Bürogebäuden, enthalten bis zu 15mg Quecksilber und somit mehr als siebenmal so viel wie normale Energiesparlampen. Trotzdem werden diese weiterhin ganz normal verwendet und sind bisher auch in der Öffentlichkeit nicht negativ aufgefallen.

– Quecksilber in Imfpstoffen ist ein schon lange diskutiertes Thema und kam erst kürzlich wieder bei der Massenimpfung gegen die Schweinegrippe auf. In vielen anderen Impfstoffen ist ebenfalls Thiomersal als Haltbarkeitsmacher enthalten. In diesem Fall ist die Belastung natürlich am extremsten: Das Quecksilber wird hier direkt in den Blutkreislauf gespritzt. Thiomersal wird seit den 20er Jahren in Impfstoffen genutzt. Laut WHO ist die Konzentration des Quecksilbers in Impfstoffen ungefährlich [4].

Energiesparlampen verhindern Produktion von Quecksilber

Was im ersten Moment paradox klingt, ist bei einer genaueren Betrachtung durchaus logisch.

Fossile Brennstoffe, insbesondere Kohle, enthalten Spuren von Quecksilber und werden bei der Stromerzeugung verbrannt. Dadurch stoßen die Kraftwerke mit ihren Abgasen auch Quecksilber aus (0,0147 mg pro kWh) [5].

Um die ungefähre Lichtmenge der früher in Deutschland innerhalb eines Jahres abgesetzten Glühbirnen zu ersetzen, würden jährlich rund 26 Millionen Energiesparlampen mit einer durchschnittlichen Lebensdauer von 10.000 Stunden benötigt werden. Dadurch würden rund 52 Kilo Quecksilber zusätzlich in Form von Leuchtmitteln anfallen. Allerdings ist das nur die eine Seite der Medaille. Denn durch die eingesetzten Kompaktleuchtstofflampen können gegenüber der Verwendung von Glühbirnen etwa 7,5 Milliarden Kilowattstunden an Strom pro Jahr eingespart werden.  Dies entspricht ungefähr 50%  der jährlichen Stromproduktion des größten Kohlekraftwerks in Deutschland, welches insgesamt 181kg Quecksilber produziert.  Die Quecksilberbilanz von Energiesparlampen ist also durchaus positiv. [6], [7]

Hinzu kommt, dass das Quecksilber aus Energiesparlampen bei ordnungsgemäßer Entsorgung recycelt wird und so eine weitere Nutzung möglich macht. Allerdings erfolgt eine Entsorgung in den Sondermüll nur in 10% der Fälle. Sicherlich wäre dies ein guter Ansatzpunkt für die Medien, um differenzierter über Energiesparlampen zu berichten und zur Erhöhung dieses Anteils beizutragen.

Quecksilbervergiftungen durch Energiesparlampen nicht bekannt

Die Gefahren von Quecksilber sollen hier nicht verharmlost werden, denn in bestimmten Mengen ist Quecksilber sehr gefährlich für die Gesundheit des Menschen. Vor ihrem Verbot betrug die Menge an Quecksilber in einem Fieberthermometer teilweise 1g und erreichte damit kritische Dimensionen. Allerdings gibt es bis heute noch keine wissenschaftliche Studie, die eine Krankheitsgefährdung durch zerbrochene Energiesparlampen belegt. Trotz  Millionen von Energiesparlampen in deutschen Haushalten, sind bis heute keine Fälle bekannt, bei denen eine kaputte Energiesparlampe für eine Quecksilbervergiftung verantwortlich ist.  Auch der dargestellte Fall einer Quecksilbervergiftung in dem Film „Bulb Fiction“ ist nicht überprüfbar auf eine zerbrochene Energiesparlampe zurück zuführen. Gäbe es einen Fall, der zweifelsfrei durch Energiesparlampen hervorgerufen wurde, wäre dieser sicherlich von den Produzenten dieses Films gefunden worden. [8]

Energiesparlampen in klinischen Tests

Eine schwedische Studie hingegen zeigt, dass das Einatmen zwar zu einem kurzfristigen Anstieg der Quecksilberkonzentration im Blut führt, allerdings liegt dieser Wert weit unter der für Menschen gefährlichen Dosis. [9] Dieser Wert beträgt laut Umweltbundesamt 5 Mikrogramm pro Liter im Vollblut [10]. In der Studie hatten Probanden 15 Minuten lang mittlere Quecksilber-Luftkonzentrationen von 400 μg/m3 eingeatmet (die vierfache Dosis einer zerbrochenen Energiesparlampe), während sie einem Ergometer einer leichten körperlichen Belastung ausgesetzt waren. Andere Studien hatten zuvor gezeigt, dass in der Nähe einer zerbrochenen Energiesparlampen Quecksilberkonzentrationen von bis zu 100 μg/m3 auftreten können. Bei den Testpersonen der schwedischen Studie wurde innerhalb der ersten Stunde zwar ein rascher, aber nur kurzzeitiger Anstieg der Quecksilberkonzentration zwischen 1,2 und 2,6 μg/l im Vollblut gemessen. Also laut Umweltbundesamt keine gesundheitsgefährdende Konzentration an Quecksilber.

Alternative Problemlösungen

– Um aber auch einen kurzen Anstieg der Quecksilberkonzentration im Blut zu vermeiden, sollten beim zu Bruch gehen einer Kompaktstoffleuchte die eigenen 4-Wände für 15 Minuten gut durchgelüftet  und erst danach die Scherben beseitigt werden.

– Diese am besten in einen extra Müllbeutel entsorgen und danach zum Sondermüll bringen. Die richtige Entsorgung von Energiesparlampen ist vor allem für das Recycling entscheidend. Über dieses Thema werden wir in den nächsten Wochen auch noch einmal ausführlicher berichten (Ein paar Infos gibt es dazu schon hier: Energiesparlampen entsorgen.

– Auch die Hersteller gehen auf die Ängste der Käufer ein und entwickeln ihre Leuchtmittel ständig weiter. So sind zum Beispiel neuere Energiesparlampen mit einem dünnen Silikonschutz überzogen. Bricht diese Lampe, bleibt der Mantel bestehen. Hier kann kein Quecksilber an die Raumluft treten. Ein Schutz gegen lästige Scherben und giftige Quecksilberdämpfe.

– Wer immer noch Bedenken bei der Verwendung von Energiesparlampen hat, sollte trotzdem umweltbewusst handeln und auf LED Lampen umsteigen. LED Lampen sind vollkommen Quecksilberfrei, haben eine durchschnittliche Lebensdauer von 25.000 Stunden und sind noch ein bisschen energieeffizienter als Kompaktleuchtstofflampen.

Wir freuen uns auf eure Kommentare. 🙂

Mehr Infos zum Thema Quecksilber und Energiesparlampen gibt’s hier:

10 Gründe, warum die Energiesparlampe nicht so schlecht ist wie ihr Ruf

Leuchtverhalten einer Energiesparlampe

Entsorgung von Energiesparlampen

 

Quellen:

[1] http://www.duh.de/fileadmin/user_upload/download/Projektinformation/Energiesparlampen/Toolkit/Infoblatt_Energiesparlampen_2008.pdf

[2] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2011:174:0088:0110:DE:PDF

[3] http://www.bfr.bund.de/cm/343/verbrauchertipp_fuer_schwangere_und_stillende_den_verzehr_von_thunfisch_einzuschraenken.pdf

[4] http://www.who.int/vaccine_safety/committee/topics/thiomersal/statement_jul2006/en/index.html

[5] http://www.oeko.de/files/download/application/pdf/fqa_lampen_de.pdf S.7

[6] http://www.osram.de/osram_de/nachhaltigkeit/nachhaltige-produkte/nachhaltigkeitskriterien/primaere-leistungsmerkmale/quecksilber/fakten-ueber-quecksilber/index.jsp,

[7]http://www.energystar.gov/ia/partners/promotions/change_light/downloads/Fact_Sheet_Mercury.pdf?fda1-95cf

[8] http://www.youtube.com/watch?v=KCgkSCVC33A

[9] http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/662587/gefaehrlich-quecksilber-energiesparlampen.html

[10] http://www.umweltbundesamt.de/gesundheit/monitor/definitionen.htm

5 Kommentare

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  2. Dass sich auch Grünspar jetzt für „Energiesparlampen“ stark macht, entsetzt mich. Wir werden es bald erleben, wie Unmengen Quecksilber die Umwelt weiter verschmutzen, weil diese unnötigen Birnen leider kaum in Problemstoffsammelstellen entsorgt werden, sondern weitaus überwiegend im normalen Hausmüll landen.
    Weiters würde die von ihnen beschrieben Entsorgung jegliche Energieinsparung ad absurdum führen, wenn ich wegen jeder kaputten Birne zum Problemstoffzenter fahre.
    Auch ist die Wärmewirkung der Glühfadenbirne im Winter und an kühlen Abenden überhaupt nicht energieverschwendend, denn um diesen Faktor muß weniger geheizt werden.
    Aber leider sind sie auch EU- und Konzernhörig – sehr traurig!

  3. Lieber Thomas, für uns ist nur wichtig ein Thema von allen Seiten zu beleuchten. Viele deiner Punkte sind sicherlich valide, andere sehr fragwürdig. Im Beitrag oben soll es im Kern um die Giftigkeit von Quecksilber in Energiesparlampen gehen, die bspw. in vollkommen realitätsfremden, hoch gehypten und extrem viralen Beiträgen der ZDF und sonstigen „Medien“ in ein vollkommen falsches Licht gerückt wurden und werden.

    Ob Glühbirnen wirklich deine Wohnung heizen und wie effizient das Heizen mit Strom ist kannst du bspw. hier nachlesen:
    http://de.answers.yahoo.com/question/index?qid=20080724153633AAqczED

  4. Hallo Ingo, nur weil die Quecksilbermenge in den einzelenen Lampen gering ist, heisst das noch lange nicht, dann kann man diese Megen ja unbedenklich einsetzen und letztlich im normalen Hausmüll landen lassen. Genauso könnte man alle Schadstoffe, die einzeln ja meist nur gering auftreten, als vernachlässigbar einstufen.
    Und wenn dauernd behauptet wird, dass über 90% der elektrischen Energie, die die alte Glühbirne verbraucht, in Wärme umgewandelt wir, dann können diese paar 100 Watt sehr wohl jedes Haus und jede Wohnung MIT-heizen! D.h. noch lange nicht, dass ich mein Haus mit Strom heize, wobei diese Technik von den Infrarotheizungsherstellern sehr gelobt und beworben wird.
    Falls dann der Strom noch dazu aus einer Photovoltaikanlage kommt, wäre das sehr wohl die umwltfreundlichste und günstigste Heizung!

  5. Zusätzlich kommt keine dieser Lampen an das Lichtspektrum eine normalen Glühbirne heran. Man braucht sich nur Essen oder Wein mit beiden Beleuchtungsarten ansehen und man beginnt zu weinen. Die neuesten LEDs sind da schon besser, aber zum Wein verkosten braucht man immer noch die alten Glühfäden oder Tageslicht.

    Mir kommt vor das man da noch schnell die alten Lagerbestände von Sondermüll abbauen möchte.

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